Es hat sich ganz viel bewegt

  • Hospiz Erkelenz Buchprojekt Abschlussfeier
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Berührende und nachdenklich stimmende Abschlussfeier des Projekts "Endlich. Mitten im Leben" in der Stadthalle Erkelenz.

Erkelenz. "Viele Menschen, die das Wort "Hospiz" hören, verbinden dies oftmals direkt mit Trauer und vor allem dem Tod. Dabei ist das Hospiz ein Ort der Chancen!" Ein Satz, der alles zusammenfasst, was die 400 teilnehmenden Schüler im Rahmen des Projekts "Endlich. Mitten im Leben" des Erkelenzer Hospizes gelernt haben. Die Schülerin Carina Hussain (Berufskolleg Erkelenz) brachte die gewonnenen Eindrücke in ihrem Hospiz-Text stellvertretend für viele andere auf den Punkt: "Das war eine Erfahrung wert!"

Es war eine anrührende und nachdenklich stimmende, aber auch fröhliche und stimmungsvolle Feier, mit der das kreisweite Projekt jetzt nach zehn Wochen zu Ende ging. In ihrer Begrüßung hob Hospiz-Leiterin Ulrike Clahsen hervor, Jugendliche könnten mit ihrer Einstellung zu Sterben und Tod durchaus wegweisend sein: "Sie gehen viel offener und mit einem anderen Blick an das Thema heran." Bei den Besuchen der Klassen im Hospiz sei die Unterschiedlichkeit der Schulen und der Schüler spürbar gewesen. Inzwischen gebe es bereits viele Nachfragen von Schulen, die gar nicht am Projekt teilgenommen hätten. "Es hat sich viel bewegt, und das Projekt hat für das Hospiz viel gebracht", lobte Clahsen.

Projektleiter Gerd Felder ("Team Zirkel", Münster) ließ in seiner Rede das gesamte Projekt noch einmal in Wort und Bild Revue passieren. Dabei räumte der gebürtige Jülicher ein, dass heutzutage viel mehr über Sterben und Tod gesprochen und geschrieben werde als noch vor ein paar Jahren. Trotzdem sei das noch keine Revolution, denn dieser Wandel habe noch lange nicht alle Gruppen und Generationen der Bevölkerung erfasst, so Felder. Bemerkenswert sei allerdings, wie stark viele Schüler und vor allem Schülerinnen um ihre verstorbenen Angehörigen und Freunde trauerten. Auch habe das Bild der beteiligten Schüler von Hospizen allgemein und vom Erkelenzer Hospiz im Besonderen sich grundlegend gewandelt. Überhaupt habe das Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung durch die vielen, dicht aufeinander folgenden Klassenbesuche und die intensive Medienberichterstattung genau die Aufmerksamkeit gefunden, die es verdiene. Mucksmäuschenstill wurde es in der Stadthalle, als Felder zum Schluss seiner Rede auf den Tod seines eigenen Vaters wenige Tage zuvor einging. "Auf einmal war ich selbst ganz persönlich von diesem Thema betroffen, mit dem wir uns beschäftigen. Dass wir mitten im Leben endlich sind - das war hier plötzlich mit Händen zu greifen", erläuterte Felder und schloss mit Gedanken seines verstorbenen Vaters zu Tod und Unsterblichkeit: "Und ob es ein Paradies gibt! Wenn es keins geben sollte, dann hätte es sich auch gelohnt, dass ich mein Leben lang an das schöne Jenseits geglaubt habe."

Im Mittelpunkt der von den Schülern als Projektergebnisse vorgetragenen Texte standen aus unmittelbarem eigenem Erleben entstandene Erfahrungsberichte über über das Sterben von Angehörigen. So gingen Sätze wie "Jeden Morgen, jeden Abend, jeden Tag, einfach jede Sekunde fehlst du mir, mein geliebter Opa." von Linda Grams (Klasse BFU G2, Berufskolleg Erkelenz) oder "Wieso du? Du warst doch noch so klein, erst anderthalb Jahre alt! Wie kommt Gott dazu, Dich uns wegzunehmen?" von Alicia Dickmeiss aus derselben Klasse unmittelbar ins Herz. Eine gute Schreibe und stilistische Gewandtheit verrieten die Kurzgeschichten von Ewa Kwapulinski und Laura-Jane Winkes vom Literaturcafé des Cusanus-Gymnasiums Erkelenz, und auch zwei Gedichte wie "Klagelied" und "Dein Bett ist gemacht" berührten das Publikum tief. Den bewegenden Abschluss bildete der fiktive Abschiedsbrief "Man sieht sich wieder, kleine Schwester" von Lisa Elsberger (Literaturcafé des Cusanus-Gymnasiums Erkelenz), der mit den Worten "Grüß Mama und Papa da oben von mir. Vielleicht kannst Du mir für später schon mal ein schönes Appartment reservieren. Man sieht sich wieder, kleine Schwester!" endete.

Auch Musik und bildende Kunst spielten in der Feier eine große Rolle: Schüler der Gemeinschaftshauptschule Gangelt und des Cornelius-Burgh-Gymnasiums Erkelenz stellten erstaunlich ausgereifte, qualitätvolle Bilder zu Sterben, Tod und dem Leben danach vor, die sie selbst gemalt hatten, und die Klasse 9 des Cornelius-Burgh-Gymnasiums überreichte Hospiz-Leiterin Ulrike Clahsen darüber hinaus ein kollektiv gemaltes himmelblaues Bild. Großen Applaus bekamen Sebastian Schade und die Band des Berufskollegs Erkelenz für ihre ideal zum Thema passenden, stimmungsvollen Songs, von denen zwei selbst getextet und komponiert waren. Gerd Felder