Eine Begegnung auf Augenhöhe

  • Hospiz Erkelenz

Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung in Erkelenz startet kreisweites Schul-Projekt "Endlich.Mitten im Leben"

Paderborn. Es ist eine Premiere für das Rheinland: Das Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung in Erkelenz hat das kreisweite Schul-Projekt „Endlich. Mitten im Leben“ offiziell gestartet. „Als das etwas andere Hospiz und als offenes Haus wollen wir mit jungen Leuten eine Begegnung auf Augenhöhe schaffen“, betonte Hospiz-Leiterin Ulrike Clahsen vor Journalisten im Hospiz. An dem kreisweiten Projekt sind 12 Schulen von sechs verschiedenen Schultypen aus dem ganzen Kreis Heinsberg beteiligt. Bis Ende November arbeiten 400 Schüler von 19 Klassen der Stufen 9 bis 12 unter Anleitung des Journalisten-Teams „Zirkel" aus Münster zum Themenbereich „Sterben und Tod".

Wie Ulrike Clahsen hervorhob, besteht bereits ein intensiver Kontakt des Erkelenzer Hospizes zu mehreren Schulen, vor allem zur Pestalozzischule, zum Berufskolleg und zur Europaschule, alle in Erkelenz. „Wir wollen bewusst die breite Bevölkerung ansprechen, und es hat sich gezeigt, dass gerade auch Jugendliche sich für unsere Arbeit interessieren“, erläuterte die Hospiz-Leiterin. So führe etwa eine Hospizgruppe der Pestalozzischule jeden Dienstag regelmäßig ihren Religionsunterricht im Hospiz durch, und mit dem Berufskolleg sei eine noch engere Zusammenarbeit als bisher angestrebt. Darüber hinaus biete das Hospiz ab dem 9. Schuljahr Berufsorientierungs-Praktika an, die gerne genutzt würden. „Wir genießen - ebenso wie unsere Bewohner - den lockeren Kontakt zu den jungen Leuten“, unterstrich Ulrike Clahsen. „Sie sind wunderbare Multiplikatoren und tragen nicht zuletzt durch Spendenaktionen dazu bei, dass wir als Hospiz existieren können.“

Projektleiter Gerd Felder wies darauf hin, dass der Deutsche Kinderhospizverein erst vor wenigen Tagen gefordert habe, das Thema „Sterben und Tod“ viel stärker als bisher im Schulunterricht zu behandeln. „Das unterstreicht, wie aktuell wir mit unserem Projekt sind“, fügte der gebürtige Jülicher, der in Münster als Journalist arbeitet, hinzu. Längst seien Fachleute davon überzeugt, dass das Bewusstsein für die Endlichkeit des Lebens - auch bei jungen Leuten - dazu beitragen können, das Leben zu bejahen. Das Paderborner Hospiz und das „Team Zirkel“ wollten vor diesem Hintergrund demonstrieren, dass es selbstverständlich möglich sei, auch mit jungen Menschen an einem solch heiklen Thema zu arbeiten. „Wir schaffen damit eine Plattform für viele Fragen und Antworten rund um die Themen Sterben, Tod und Trauer“, erläuterte Felder. Dem Hospiz und dem „Team Zirkel“ gehe es darum, der Sprachlosigkeit der Gesellschaft entgegenzuwirken und zu unterstreichen: Der Tod gehört zum Leben und nicht in eine Tabu-Ecke. Zugleich solle damit ein Meilenstein für einen „barrierefreien“, vorurteilslosen und respektvollen Umgang mit Sterben und Tod gelegt werden.

Wie der Projektleiter ausführte, können die Schüler sich im Rahmen des Projekts „Endlich. Mitten im Leben“ mit allen Aspekten des Themenbereichs beschäftigen. Nach Aussage Felders werden sie als Autoren tätig und schreiben gemeinsam an einem Buch, das Texte in allen journalistischen Schreib- und Stilformen, aber auch Kurzgeschichten und Gedichte, Fotos, Bilder, Collagen und Zeichnungen enthalten soll. „Die Jugendlichen können sich im eigenen familiären und lokalen Umfeld umsehen und Ärzte und Pfleger, Seelsorger und Psychologen, Kripo-Beamte und Feuerwehrleute, Bestatter und Friedhofsgärtner besuchen“, erklärte der Projektleiter. Im Mittelpunkt stehe dabei die Hospizarbeit. Parallel dazu erhalten sie verschiedene Zeitungen, um sie auf ihre Berichterstattung über den Themenbereich „Sterben und Tod“ hin durchzuarbeiten.

"Nachdem wir schon Konzerte und Kunstveranstaltungen veranstaltet haben, kommt uns dieses Buch gerade recht", urteilte Ulrike Clahsen. „So etwas passt zu uns.“ Im Laufe des Schulprojekts werde sich herausstellen, dass das Hospiz der ideale Platz sei, um soziale Blickrichtungen einzuüben und zu leben. „Ich bin schon ganz gespannt auf all das, was dabei herauskommt“, meinte die Hospiz-Leiterin.