November? Ein Monat wie jeder andere

  • Hospiz Buchprojekt Gangelt
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Schüler der Gemeinschaftshauptschule befragen 50 Personen in Gangelt/Große Wertschätzung für die Hospize.

Gangelt. Dunst und Nebel liegen über dem Land: Novembertristesse bei drei Grad. Der Selfkant zeigt sich an diesem Tag von seiner ungemütlichen Seite.

Vor dem Alten Rathaus in Gangelt stellen sich langsam immer mehr Schüler der Klasse 10A1 der Gemeinschaftshauptschule ein und erhalten die letzten Instruktionen von ihrer Lehrerin Birgit Mesdag. Dann drängeln sich alle vor der Treppe, weil sie ungeduldig darauf warten, mit der Straßenumfrage im Rahmen des kreisweiten Projekts "Endlich. Mitten im Leben" des Erkelenzer Hospizes zu beginnen.

11 Uhr. In sieben Gruppen ziehen die Schüler los und suchen das Rathaus und das Maria-Hilf-Krankenhaus, das Einkaufszentrum und die Altenpflegeschule sowie mehrere Geschäfte in der Innenstadt auf. Auch Heinz-Josef Küppers vom Erkelenzer Hospiz sowie Projektleiter Gerd Felder und Gabriele Felder vom "Team Zirkel" aus Münster schließen sich Gruppen an und leisten aktive Unterstützung, wenn es darum geht, die Passanten "auszuquetschen". Der Erfolg fällt unterschiedlich aus: Während im Ortszentrum und bei der Gemeindeverwaltung alle die Fragen bereitwillig beantworten, verweigern im Einkaufszentrum etliche kategorisch die Auskunft. Im Rathaus stellen sich der Bürgerservice sowie Vertreter der Finanzabteilung und des Bauamtes den Fragen. Insgesamt beteiligen sich etwa 50 Personen an der einstündigen Befragung.

"Wie begehen Sie den Trauermonat November?" "Haben Sie sich schon mit Sterben und Tod auseinandergesetzt?" und "Was wissen Sie über Hospize, und was halten Sie von Hospizen?" lauten die nicht ganz einfachen Fragen, mit denen die Schüler die Gangelter Bürger konfrontieren. Dabei stellt sich heraus, dass für weitaus die meisten der November ein ganz "normaler" Monat wie jeder andere ist, an dem sie die Gräber ihrer Angehörigen nicht öfter besuchen als sonst und auch nicht intensiver mehr ihrer gedenken als in anderen Zeiten des Jahres. Zwei bekennen allerdings, dass sie im November gedrückter und depressiver sind, und eine junge Apothekerin räumte sogar ein: "Der November – das ist ein Monat, den es für mich nicht geben müsste!"

Auffällig ist: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten hat keine Angst vor dem Tod, sondern höchstens vor einem langen, qualvollen Leiden und Sterben und dem Abschied von der Familie. Dabei haben Jüngere eher mehr Angst vor dem Tod als ältere Menschen, und die weitaus meisten haben sich schon mit dem Thema Sterben und Tod auseinandergesetzt. Einzelne geben zu, dass sie bei diesem Thema ein "unangenehmes Gefühl" oder "Sorge" beschleiche. Ein Versicherungs-Experte überrascht mit der Auskunft, "gestern noch" habe er sich mit dem Thema Sterben und Tod befasst.

Ausgesprochen positiv fällt das Urteil über die Hospize aus. Fast alle Befragten geben an, sie wüssten, was Hospize seien. Trotzdem wissen einzelne gar nichts über sie. Fast alle halten Hospize jedenfalls für sehr wichtig und loben sie als "gute Einrichtung", einige wenige haben sogar schon in einem Hospiz gearbeitet. Etwa ein Drittel kennt darüber hinaus das Erkelenzer Hospiz zumindest vom Hörensagen.

Es ist 12 Uhr. Nach und nach kommen alle Gruppen wieder am Alten Rathaus zusammen, um die Ergebnisse auszutauschen. Dennis Eichwald und Marc Kamps haben sich wie etliche andere aus Ihrer Klasse anfangs schwer getan, ihre Hemmschwelle zu überwinden, dann aber immer mehr in die Umfrage-Situation hineingefunden und Listen angelegt, um alle Befragten erfassen zu können.

14 Personen: Das kann sich wahrhaftig sehen lassen. Jetzt sind sie voll zufrieden mit sich und ihrem Engagement. Heinz-Josef Küppers schwärmt:

"Respekt für alle, die ihre Schwellenangst überwunden haben! Manche Bürger haben uns ganz viel erzählt und ihre eigenen Erfahrungen mit Sterben und Tod weitergegeben." Projektleiter Felder lobt die Klasse: "Vielen Dank für Euren Einsatz. Ihr habt damit noch einmal unterstrichen: Der Tod gehört zum Leben und mitten in den Ort und das Alltagsleben und nicht in eine Tabu-Ecke." Gerd Felder