Allerheiligen bleibt eine feste Größe

  • Hospiz Buchprojekt Wegberg
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Passantenbefragung in Wegberg: Auffallend viele kennen das Erkelenzer Hos-piz/Kreisweites Pilot-Projekt "Endlich. Mitten im Leben".

Wegberg. Ungewöhnlich viele Wegberger - etwa mindestens die Hälfte - kennen das Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung in Erkelenz, viele davon Hospiz-Leiterin Ulrike Clahsen sogar persönlich. Und fast alle halten Hospize für eine sehr gute Sache und eine tolle Einrichtung. Das ist das Ergebnis einer Passantenbefragung von Schülern der Klasse 10d der Edith-Stein-Realschule im Rahmen des kreisweiten Projekts "Endlich.Mitten im Leben" in der Innenstadt von Wegberg. Insgesamt etwa 60 Personen stellten sich den Fragen der Schüler.

Bei nasskaltem Herbstwetter, das nur für die Stunde der Umfrage etwas besser wurde, trafen sich jetzt die Schüler, begleitet von ihrem Lehrer Holger Geiser, mit Heinz-Josef Küppers vom Erkelenzer Hospiz sowie Gerd Felder und Katharina Mecklenburg vom "Team Zirkel" aus Münster. Zum Start der Umfrage am Rathaus verteilte Projektleiter Felder die Fragebögen und schickte die 15 Schüler über den Wochenmarkt, in die Geschäfte und Einkaufszentren, aber auch in den Bürgerservice und die Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung. In fünf Gruppen zogen die Schüler los und legten bei der Befragung der Erwachsenen keinerlei Scheu, dafür aber viel Einsatz und Eifer an den Tag. Und die Wegberger erwiesen sich als ausgesprochen offen und auskunftsfreudig: Nur ganz wenige verweigerten den Schülern die Antwort oder liefen einfach an ihnen vorbei.

Was die Schüler besonders überraschte: Viele haben sich bereits mit dem Thema "Sterben und Tod" auseinandergesetzt, "zwangsläufig", wie es immer wieder mit Bezug auf Todesfälle in der eigenen Familie hieß. Darüber hinaus spielt der Feiertag Allerheiligen besonders für die über 50-jährigen nach wie vor eine große Rolle. Fast alle aus dieser Altersgruppe gaben an, dass sie die Gräber ihrer Angehörigen für diesen Feiertag schmücken, an Allerheiligen selbst in die Kirche gehen und den Friedhof aufsuchen. Mehrere räumten auch ein, dass der November mit seinen vielen Totengedenktagen sie dazu bringe, sich mehr als sonst zu besinnen und über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken. Dagegen betonten die Jüngeren überwiegend, sich an die Bräuche zu Allerheiligen nicht zu halten; auch sei der November ist für sie ein Monat wie jeder andere. "Ich kann jeden anderen Tag auf den Friedhof gehen; dafür brauche ich Allerheiligen nicht. Außerdem bin ich aus der Kirche ausgetreten", erklärte eine junge Frau freimütig.

Auffallend war auch: Alle, die sich als gläubig betrachten, haben keine Angst vor dem Tod. Jüngere räumten ein, sie versuchten die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod zu verdrängen, weil sie noch auf eine längere Lebenszeit hoffen dürften, aber auch ihnen sei die Bedeutung der Frage nach der eigenen Endlichkeit bewusst. Ob es ein Leben nach dem Tod gebe und wie das aussehen könne, diese Frage könne natürlich niemand beantworten.

Bei der Einschätzung der Hospize ist die Tendenz bei allen Altersgruppen einhellig: Die meisten wissen etwas mit dem Begriff anzufangen und halten sie für eine "tolle Einrichtung". Besonders dass dort Sterbende gepflegt und begleitet und ihre Angehörigen entlastet werden, findet die große Mehrheit sehr gut. "Eine tolle Sache und besser als ein Pflegeheim", lautete der Tenor. Nur eine junge Frau meinte: "Das ist ein Ort, zu dem man ungern hingeht", räumte aber zugleich ein, dass sie sich in dieser Hinsicht in einem inneren Zwiespalt befinde und durchaus auch das Positive eines Hospizes sehe.

Nach einer Stunde trafen sich alle am Haupteingang des Rathauses. Projektleiter Gerd Felder zeigte sich erfreut über die Offenheit und Auskunftsfreudigkeit der Wegberger. "Dass die weitaus meisten sich so bereitwillig auf diese ernsten Fragen eingelassen haben, ist in dieser Form eher ungewöhnlich", so Felder, der zugleich der Klasse 10 d bescheinigte, sie habe sich wieder von der besten Seite gezeigt und brauche ihr Licht keineswegs unter den Scheffel zu stellen. Heinz-Josef Küppers vom Erkelenzer Hospiz bestätigte diesen Eindruck: "Die Schüler waren sehr motiviert und sehr gut mit der Thematik vertraut. Sie gingen frei auf die Passanten zu und steckten diese durch ihr offenes Wesen geradezu an, auch offen und zugänglich zu antworten", lobte der Ehrenamtliche. "Es scheint fast, als ob eine Tabuisierung des Themas ,Tod´ kaum noch vorhanden ist." Gerd Felder